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Heilkraft der Musik
[Gesund-04]

Moderne Medizin - Die Heilkraft der Musik

Operationen, Schlaganfall, Alzheimer: Klänge und Töne sind Medizin mit mächtiger Wirkung.

Mit den schwebenden Tönen aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" in der Narkose wegdriften, sich im Lieblingsblues aus den Kopfhörern verlieren, während der Chirurg am örtlich betäubten Knie arbeitet: nur zwei von vielen Beispielen für die wundersame Macht von Musik als Medizin. Die weiche Welle in der Hightech-Medizin boomt, seitdem Musik als wertvoller therapeutenschwer Wirkstoff dokumentiert ist.

Musik ist Sprache ohne Worte. Töne und Klänge, Rhythmen und Harmonien marschieren direkt in unser Ich, berühren die ältesten Schichten im Gehirn. Alle Menschen sind von Geburt an musikalisch höchst sensibel, sagt die neueste Forschung am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Musik kann emotionale Sicherheit und Selbstwertgefühl steigern, Unsicherheit und Angst, Aggressionen und Frust abbauen. Und gehört wegen ihrer zahlreichen positiven Effekte in Kliniken zunehmend zum Behandlungsprogramm.

Beruhigende Musik fährt über die körpereigene Biochemie die Produktion von Schmerz- und Stresshormonen herunter. Sexualhormone, Immunsystem und Glücksstoffe hingegen werden durch schwungvolle Melodien angekurbelt. Musik bringt Blutdruck, Atmung und Herzfrequenz auf Normalniveau, hat ebenso Einfluss auf die Gehirnwellen wie auf Magenkontraktionen Sie reduziert Schmerzempfinden und Sauerstoffverbrauch. Senkt die Dosis von Narkose-, Beruhigungs- und Schmerzmitteln - um 50 bis 70 Prozent, laut verschiedener Studien. Musik erleichtert Mutter und Kind die Geburt Frühgeborene entwickeln sich besser, wenn sie mit Frauenstimmen, Geräuschen aus dem Mutterleib und Entspannungsmusik bespielt werden. Und an der Colorado State University in Fort Collins laufen Schlaganfall-Patienten mit Rhythmen aus dem Walkman gleich viel sicherer. Wie diese Prozesse exakt funktionieren, weiß man nicht. Doch neben der Biochemie scheint das autonome Nervensystem eine Schlüsselrolle zu spielen.

Der Begriff MusikMedizin wurde von Ralph Spintge geprägt, Schmerztherapeut am Lüdenscheider Sportkrankenhaus Hellersen, Professor für MusikMedizin. Er hat Erfahrung mit mehr als 120 000 Patienten, denen er vor, während und nach einer Operation Klang verabreichen ließ. Wobei stets ein sehr persönliches Wunschkonzert erklingt, die Musik muss zwingend mit positiven Gefühlen und Erwartungen verknüpft sein. Professor Spintge: "Die Jugend, die sich für Narkose Techno wünscht, versetzt sich dann in die Situation in der Disko. Für ältere Menschen ist es oft der Genuss, ein schönes klassisches Stück zu hören. Bei MÄnnern ist auch Marschmusik gefragt, als innere Stütze. Dies gilt für aktute Stress- und Schmerzsituationen." Wenn Professor Spintge bei einem akuten Bandscheibenvorfall eine Spritze in die Nähe ddes Rückenmarks setzen muss, kriegt der Patient meist Musik statt einer Beruhigungspille. 95 Prozent seiner Patienten würden sich übrigens wieder mit Musik behandeln lassen.

In der Musiktherapie dagegen arbeitet ein ausgebildeter Therapeut mit Patienten, oft auch mit Angehörigen. In den klassischen Feldern Psychiatrie und Psychosomatik, zunehmend auch in Reha-Zentren, Medizinabteilungen. Die Therapeuten beschäftigen sich mit Kindern, mit depressiven und angstgestörten Menschen, mit Koma- und Krebs-Patienten. Und erzielen beeindruckende Erfolge. Migräne-Kinder drücken mit Pauke und Trommel ihren Schmerz aus, das lindert mehr als Pillen. Bei Tinnitus werden die Ohrengeräusche in der Wahrnehmung verdrängt, bei Demenz Laune und Gedächtnis gesteigert. Bei Alzheimer-Kranken im Endstadium, unerreichbar in ihrer Welt verloren, kann die Lieblingsmelodie von Mozart noch ein Lächeln hervorzaubern.

Wie verschiedene Musikrichtungen auf den Menschen wirken: Musik ist immer eine sehr persönliche Sache, bestimmt durch Gefühle und Erfahrungen. Ihre wohltuende Kraft kann man auch wunderbar zu Hause nützen, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.


Langsamere Barockmusik (Bach, Händel, Vivaldi, Corelli) - vermittelt Stabilität, Ordnung, Sicherheit, ist geistig anregend.

Klassische Musik (Hayden, Mozart) - verströmt Klarheit, Eleganz, Transparenz. Steigert Konzentration, Gedächtnis, räumliche Wahrnehmung.

Impressionistische Musik (Debussy, Fauré, Ravel) - Frei fließende musikalische Stimmungen, ruft traumähnliche Bilder hervor, weckt kreative Kräfte.

Ambiente-, Sphären-, New-Age-Musik ohne dominanten Rhythmus - Erweitert Raum- und Zeitempfinden, löst einen Zustand entspannter Wachheit aus.

Techno, Hip-Hop, Heavy, Mental, Punk, Grunge - Kann enthusiastisch stimmen, dynamisch und selbstbewusst.

Rock - Löst Verspannungen, lenkt von Schmerzen ab, schwächt störende Umweltgeräusche ab.

entnommen aus der Zeitschrift Gong Nr. 43

weitere Links zu dem Thema:
www.dzm.fh-heidelberg.de - Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung. Links, Behandlung
www.musiktherapie. de - Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie. Projekte, Studiengänge
www.Musik-als-Medizin.de - Musik- und Heiltherapeutin
Buch, CD und Internet: Bluthochdruck erfolgreich senken, mit Audio-CD und Zugang zu virtuellen Seminarräumen. Von Professor Ralph Spintge, 19,95 €

Dieses Werk haben wir am 03. 11. 2004 neu aufgenommen.
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